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Offizielle Definition des Fairen
Handels
Fairer Handel ist eine
Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt
beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel
strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer
Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen - insbesondere in den
Ländern des Südens - leistet der Faire Handel einen Beitrag zu
nachhaltiger Entwicklung.
Fair-Handels-Organisationen engagieren sich - gemeinsam mit
VerbraucherInnen - für die Unterstützung der ProduzentInnen, die
Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung
der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.
[= Gemeinsame Definition der vier internationalen Netzwerke des Fairen Handels:
FLO (Fairtrade
Labeling Organization), IFAT (International
Fair Trade Association), NEWS! (Network of European Worldshops),
EFTA (European Fair Trade Association)]
Fair oder nicht Fair?
Drei Gütesiegel- und Kodex-Systeme im
Vergleich mit dem zertifizierten Fairen Handel.
Fairer Handel kann auf
zwei Wegen geschehen: Zum einen über unabhängig
zertifizierte Produkte mit FLO-Fairtrade-Siegel, zum anderen
über anerkannte Fair-Handels-Organisationen, die sich als Ganzes
regelmäßigen Überprüfungen stellen müssen. Fair gehandelte Produkte erkennt man dem entsprechend am
internationalen Fairtrade-Siegel oder an den Marken der anerkannten Fair-Handels-Organisationen,
die ihre Produkte in erster Linie in Weltläden als den Fachgeschäften des Fairen Handels
vermarkten.
Andere Organisationen oder Anbieter, die von sich behaupten,
„fair“ zu handeln, müssen sich an den anerkannten Kriterien und der Praxis des internationalen
Fairen Handels messen lassen:
Das Ziel des Fairen Handels ist
nicht allein die wirtschaftliche Absicherung der Handelspartner,
sondern die Stärkung ihrer Entwicklung, ihrer Selbstorganisation
sowie ihrer sozialen und politischen Arbeit: In langfristig angelegten
Handelspartnerschaften werden existenzsichernde Preise und eine Fair-Handels-Prämie gezahlt, um soziale
Entwicklungen zu fördern. Über die Verwendung des Mehrpreises und der Prämie entscheiden die
ProduzentInnen demokratisch. Die Handelspartnerschaft erfolgt „auf Augenhöhe“, sie beinhaltet
intensiven Dialog und Beratung, sie ist transparent und wird regelmäßig überprüft.
Worin unterscheidet sich nun der Faire Handel von
anderen „nachhaltigen“ Handelsansätzen?
Das Forum Fairer Handel als Netzwerk der
Fair-Handels-Organisationen und -Akteure in Deutschland hat in einer Studie den zertifizierten Fairen Handel
(FLO-Fairtrade) mit drei Ansätzen vergleichen lassen, die sich in ihrer Kommunikation in die Nähe
des Fairen Handels rücken:
Das Fazit der Studie ist, dass alle drei untersuchten Ansätze nicht den Kriterien des
Fairen Handels entsprechen. Nur der Faire Handel selbst bietet
neben ökologischen und sozialen auch die notwendigen ökonomischen Vorteile, um eine nachhaltige
Entwicklung zu fördern. Die ökonomischen Vorteile für die ProduzentInnen im FLO-Fairtrade-System
sind vor allem
ein existenzsichernder (oft garantierter Mindest-)Preis, der
die Kosten der Produktion im Sinne der Nachhaltigkeit deckt und ein Leben in Würde
ermöglicht. Dazu kommt eine Fair-Handels-Prämie und die Vorfinanzierung der Produktion auf Wunsch der
ProduzentInnen.
langfristige, verlässliche Handelsbeziehungen, die eine
nachhaltige Entwicklung ermöglichen. Die Einhaltung dieser Standards wird von FLO-Fairtrade durch
eine unabhängige Zertifizierung überprüft.
Die anderen untersuchten Systeme haben einen grundsätzlich
anderen Anspruch als FLO-Fairtrade:
4C ist ein brancheneigener Verhaltenskodex der
Kaffeewirtschaft. Er soll die schlimmsten negativen Praktiken im Kaffeesektor (z. B. ausbeuterische
Kinderarbeit, Zwangsräumung ohne Entschädigung, Einsatz verbotener Pestizide) verhindern.
Den Kriterien, die die ProduzentInnen erfüllen müssen, stehen keine der Leistungen des
Fairen Handels (z. B. Mindestpreise, Möglichkeit zur Vorfinanzierung, externe
Kontrolle) gegenüber. 4C ist ein Verhaltenskodex, der die Hauptlast der Veränderung bei den
Produzenten belässt.
Rainforest Alliance will mit einem Umweltmanagementsystem die
Minderung von Umweltschäden und den Erhalt der Biodiversität erreichen, die
nachhaltige Entwicklung der ProduzentInnen steht nicht im Fokus. Die Einhaltung der
Umweltkriterien wird extern kontrolliert, es fehlen aber ökonomische Vorteile für die
ProduzentInnen wie Mindestpreise oder Vorfinanzierung. Rainforest Alliance gesiegelte Produkte
sind daher weder bio noch fair.
Hand in Hand von Rapunzel ist ein firmeneigenes
konsumentenorientiertes Gütezeichen, das Rapunzel für einen Teil seiner tropischen Agrarprodukte
einsetzt. Die firmeneigenen Kriterien sind weit weniger streng als bei FLO und die
versprochenen ökonomischen Vorteile für die ProduzentInnen sind nicht transparent. Rapunzel
bietet damit zwar 100% bio, ansonsten aber ein CSR-Konzept eines Unternehmens.
Der Faire Handel insgesamt geht noch über die Festlegung von
Standards für einzelne Produkte und deren Zertifizierung und Siegelung hinaus: Als
IFAT-Mitglieder sind die anerkannten Fair-Handels-Organisationen beispielsweise Teil einer weltweiten
Bewegung aus Produzenten, Händlern, Weltläden und NGOs und investieren u. a. in Bildungs-
und Kampagnenarbeit. Gemeinsame Lobby- und Advocacy-Arbeit durch nationale und
internationale Netzwerke zielt darauf ab, soziale und ökologische Regeln im nationalen und
internationalen Handel durchzusetzen.
Fairer Handel - eine positive Alternative
Der Faire Handel bietet eine direkte und einfache
Methode zur Verbesserung der Situation der Produzenten in den Entwicklungsländern. Durch den Kauf von fair gehandelten Produkten können Verbraucher eine bedeutende Rolle zum schrittweisen globalen Ausgleich von Wohlstand und
Macht spielen, indem sie Druck auf Unternehmen ausüben, verantwortlich gegenüber all denen zu handeln, die von ihren Geschäften betroffen sind - vom Produzenten bis zum Verbraucher - , um so zu sozial, wirtschaftlich und
ökologisch nachhaltiger Produktion beizutragen.
Der Faire Handel möchte zur Überwindung der Armut im
Süden beitragen, und zwar durch den Aufbau eines Handelssystems, das auch kleinen Produzenten im Süden Zugang zu den Märkten im Norden gewährt. So baut dieser alternative Handel auf die Fähigkeiten der Produzenten und gibt
Gemeinschaften (z.B. Kooperativen, Genossenschaften) die Möglichkeit, bei ihrer eigenen Entwicklung eine aktive Rolle zu spielen. Gleichzeitig kommt er der Nachfrage der Verbraucher im Norden nach. Das Hauptmerkmal des Fairen
Handels liegt in gleichberechtigter Parnterschaft und gegenseitigem Respekt - Partnerschaft zwischen Produzenten im Süden und Importeuren, Fair-Handelsgeschäften, Siegelorganisationen und Verbrauchern im Norden. Fairer Handel
macht den Handelsvorgang menschlicher und die Kette zwischen Produzenten und Verbrauchern so kurz wie möglich, so dass die Konsumenten auch etwas von der Kultur, Identität und den Lebens- umständen der Produzenten erfahren.
Alle Beteiligten setzen sich für die Prinzipien des Fairen Handels ein.
Der Begriff “Fairer Handel” ist nicht eindeutig
definiert, jedoch kann man die zentralen Elemente des Konzeptes, mit denen sich der Faire Handel vom konventionellen Handel unterscheidet, wie folgt zusammenfassen:
“Fairer Handel bezeichnet eine durch eine Alternative
Handelsorganisation und Fair Trade Labeling Organisation vermittelte bzw. begleitete Handelsbeziehung mit ausgewählten, in der Produktions- kapazität eher kleinen, im Marktzugang eher benachteiligten ProduzentInnen-Gruppen, die
sich von rein kommerziellen Handelsbeziehungen konzeptionell unterscheidet durch
- die Zahlung eines “Fairen Preises”, d.h. eines Erzeugerpreises, der in der Regel über dem durchschnittlichen (Welt-)Marktpreis
liegt und ein ausreichendes Einkommen für ein menschenwürdiges Leben ermöglicht sowie Spielraum für Investitionen läßt,
- auf Wunsch der Produzenten zumindest teilweisen Vorfinanzierung der Handelskontrakte,
- die Förderung langfristiger, vorausschauende Planung ermöglichende Handelsbeziehungen,
- Direkteinkauf, d.h. die möglichst weitgehende Ausschaltung des Zwischenhandels,
- die Einhaltung grundlegender sozialer Standards in der Produktion (ILO-Kernarbeitsstandards)
- die Förderung ökologisch verträglicher Produktionsweisen.
Hinzukommen weitere Kriterien, wie etwa Beratung der
Produzenten bei Produktentwicklung und Marketing.
Von den ProduzentInnen im Süden werden demokratische
Arbeitsweise und Entscheidungs- prozesse innerhalb der Organisation erwartet.
Zusätzlich zu diesen partnerschaftlichen
Grundbedingungen werden meist noch einige andere Punkte vereinbart. Die Arbeit der Partner im Süden muss (wirtschaftlich, umweltpolitisch und sozial) nachhaltig sein, annehmbare Arbeitsbedingungen gewähren, zur Entwicklung der
Gemeinschaft beitragen und, wo immer möglich, Arbeitsplätze schaffen. Weiterhin ist von Bedeutung, daß die ProduzentInnen ihre Waren vor dem Export so weit wie möglich in der Region verarbeiten und sich so eine höhere
Wertschöpfung und technische Fähigkeiten verschaffen.
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